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Bewusstsein

So viel wird ‹über› das Bewusstsein und das bewusste Leben geschrieben. Was davon ist wahr und wirklich?

Ich kann nur von mir sprechen und von dem, was ich ‹bewusst› und ‹Bewusstsein› nenne. Es sind Worte und es ist eine Kunst, jedes Wort unserer Sprache mit einem eigenen Erleben zu verbinden. Wenn ich bewusst bin, wenn ich mich als bewusst erfahre, nehme ich unter anderem die Eindrücke meines Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Tastens sowie meine Körperempfindungen wach erlebend wahr. In konzentrierten Momenten ist dieses nicht der Fall. Ich ahne, dass auch in diesen Momenten Eindrücke des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens und Tastens sowie Körperempfindungen vorhanden sind. Jetzt im kalten Herbst rauscht die Heizung in jedem Moment – mal höre ich es und mal höre ich es nicht. Der Schall dringt wohl in jeder Sekunde an meine Ohren, doch das Rauschen gelangt nicht in mein Bewusstsein. Als ich einmal an einer lauten Straße wohnte, nahm ich die Geräusche der Fahrzeuge nicht in jedem Moment wahr. Zum Glück!

Ich bin bewusst, wenn ich die Eindrücke meines Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Tastens und die Empfindungen meines Körpers bewusst wahrnehme. Dieses ist mir auch zugleich möglich. Ich kann mein Bewusstsein weiten und verschiedene gleichzeitige Eindrücke in mein Bewusstsein nehmen. Gelingt es dir, dich zugleich deinem Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und deinem Körperempfinden zu widmen?

Mit dem Fühlen, Denken und Spüren ist es bei mir ebenso. Es gibt für mich kein Entweder-bewusst oder Unbewusst – es ist wie ein langes Atmen, das Bewusstsein wie ein Organ, das sich immer wieder weitet und zusammenzieht. Mitunter, im Schock, verändert es seine Weite ganz plötzlich. Mitunter weitet es sich nach und nach zaghaft. So kommen immer mehr Eindrücke in mein Wahrnehmen. Die Eindrücke in den unbewussten Momenten zuvor kann ich nur ahnen – ich erlebe sie nicht und was ich nicht wahrnehme, kann ich nicht als ‹wahr› nehmen. Wahr erlebbar ist für mich das Empfinden meines momentanen Gefühls: Ich bin mir mitunter der Angst in mir bewusst, der Wut, der Freude, des Leids, der Traurigkeit, der Liebe. Wenn ich ganz in Gedanken bin, nehme ich mein Gefühl nicht wahr. Ich kann nur vermuten, dass es dennoch da ist. Meine Nächsten sagen mir, dass ich traurig wirke, ich erwache aus meinem Denken und jetzt fühle ich die Traurigkeit in mir bewusst. Ich gehe davon aus, dass sie auch schon zuvor in mir gewesen ist, nur war ich in den Räumen meines Denkens unterwegs und habe alles andere ausgeblendet. Mitunter ist meine Aufmerksamkeit ganz von einem Geschehen außerhalb der Grenzen meines Körpers gefesselt. Nun höre und sehe ich die Gedanken in mir nicht mehr. Wieder vermute ich, dass sie dennoch auch weiterhin da sind. Ich denke nun unbewusst und habe unbewusst Gedanken. Mein Bewusstsein hat sie für eine Weile aus meinem Wahrnehmen herausgenommen. So scheint es mir, denn erleben kann es nicht. Erleben findet für mich nur innerhalb meines Bewusstseins statt, alles andere ist für mich Theorie.

Der mir weiteste mögliche Zustand meines Erlebens ist mein bewusstes gleichzeitiges Wahrnehmen des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Tastens, Körperempfindens, Fühlens, Denkens, Spürens und Seins. Dieses sich immer wieder engende und weitende Bewusstsein ist mir eigen, denn die momentane Enge oder Weite meines Bewusstsein kann sich von der meiner Nächsten unterscheiden. «Es riecht angebrannt.» Ich halte inne und weite mein Bewusstsein. «Stimmt, jetzt rieche ich es auch!»

All das ist mein Bewusstsein. Ich erlebe seine momentane Enge oder Weite. Es ist wahr, dass ich ein Bewusstsein habe.

PS: «Bewusstheit» ist für mich nicht erlebbar, denn diese ist für mich das Bewusstsein und damit wache Wahrnehmen aller Wesen zugleich. Ich würde aus den Augen des Tigers in Sumatra blicken und das Zucken der Angel in den Händen des grönländischen Fischers zugleich erleben, doch das tue ich nicht.

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veröffentlicht am 24.10.2016, letzte Änderung am 24.1.2017 um 10:30 Uhr

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